FRATZ Symposium

4. bis 7. Mai 2019 im Podewil, Berlin-Mitte

Unter der Überschrift »Eine andere Welt« beschäftigen wir uns mit Alternativen zum Status quo, möglichen Zukünften und Kräften zur Veränderung. Die Rolle des Theaters steht zur Debatte. Wir widmen uns der sinnlich-ästhetischen Erfassung der Welt und suchen nach neuen Allianzen und Wegen – zu verstehen, zu kreieren, zu verändern. Im Rahmen der Theaterarbeit für sehr junge Zuschauer*innen hat das Theater o.N. zwei Kooperationen mit Berliner Künstler*innen im öffentlichen Stadtraum angeregt, die das Symposiumsthema begründen: »YEW:kids« von Angela Schubot & Jared Gradinger in Koproduktion mit der Natur (Botanischer Volkspark Pankow) und »Nesting – Interdisziplinäres Atelier« von Shelley Etkin & Yoav Admoni (Ruine der Franziskaner-Klosterkirche).

Weitere Gäste sind Sisters Hope (Künstlerkollektiv, Dänemark) | Stephanie Maher (»Tipping Utopia« – Ponderosa, Brandenburg) | Joshua Ademola Alabi (Theatermacher, Nigeria) | Freddy Tsimba (Bildender Künstler, Kongo) u. a.

Die genauen Programmpunkte und Zeiten werden demnächst bekanntgegeben. Zur Teilnahme bitten wir darum das Anmeldeformular auszufüllen und einzureichen.

Sisters Hope ist eine in Kopenhagen ansässige Performance-Gruppe und Bewegung mit einem internationalen Netzwerk assozierter Künstler*innen aus verschiedenen Kontexten. Leiterin ist Gry Worre Hallberg, die die Gruppe 2007 zusammen mit ihrer poetischen Zwillingsschwester Anna Lawaetz gründete.
Sisters Hope arbeiten an der Schnittstelle von Performancekunst, Forschung, Aktivismus und Pädagogik. Sie bedienen sich Mitteln der Immersion und Intervention, wenn sie im Alltag und darüber hinaus agieren - mit dem Ziel, »die ästhetische Dimension zu demokratisieren und zu entfalten«. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf Bildungskontexten, wie in dem laufenden Großprojekt Sisters Academy.

Die Sisters Academy ist eine Schule in einer Welt und Gesellschaft, in der »die sinnliche und poetische Dimension des Seins im Mittelpunkt aller Handlungen und Interaktionen steht«. Sie begründet die Werte, auf denen nach Ansicht von Sisters Hope alle gesellschaftlichen Institutionen aufbauen - auch die Schule. Die Sisters Academy ist demnach die Schule in einer so genannten »Sinnlichen Gesellschaft«: »Sie existiert in einer potenziellen neuen Welt, die aus der postökonomischen und ökologischen Krise erwächst.«
In den Jahren 2014 bis 2020 wird die Sisters Academy in einer Reihe von nordischen Ländern und möglicherweise darüber hinaus etabliert: Es werden »Internate einer anderen Welt« gegründet und die Leitung von fünf tatsächlichen Sekundarschulen in Dänemark, Schweden, Island und Grönland übernommen (»The Takeover«).

Im FRATZ Symposium werden Sisters Hope ihre Arbeit vorstellen und praktisch erfahrbar machen.
www.sistersacademy.dk

Freddy Tsimba (Kinshasa/Kongo, geb. 1967) ist bildender Künstler. Er lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Kinshasa. Durch zahlreiche Ausstellungen in Afrika, Europa, Kanada und China wurde er weltweit bekannt.
Dem Krieg eine Botschaft von Erinnerung und Frieden entgegenzusetzen ist Tsimbas Antrieb, wenn er zehntausende alte Patronenhülsen zu überdimensionalen Körpersilhouetten verschweißt.

»Meine eigentliche Schule, auch wenn ich in Kinshasa Bildende Kunst studiert habe, ist die Straße. Sie bringt mir viele Materialien [...] und wenn ich in mein Atelier gehe, »meinen humanitären Korridor« («mon couloir humanitaire»), wie ich es nenne, spucke ich alles aus, was mir die Straße gegeben hat, um durch das zu sehen, was ich berühre – Draht, Blech usw. Um jenen Menschen zu gedenken, die überall Opfer der Ungerechtigkeiten anderer Menschen und von Missverständnissen sind. Künstler zu sein ist eine Besessenheit.«

Tsimba ist eingeladen, auf dem FRATZ Symposium über seine Arbeit zu sprechen und mit uns über Postkolonialismus und künstlerische Freiheit, sowie Beweggründe und Wirkung künstlerischen Schaffens zu diskutieren.

www.freddytsimba.com

Filmpräsentation. Außerdem planen wir, den Dokumentarfilm »Systéme K« des französischen Regisseurs Renaud Barret zu zeigen, in dem Tsimba zusammen mit anderen Künstler*innen porträtiert wird, die Teil einer vitalen und leidenschaftlichen Subkultur in Kinshasa sind und die Stadt als ihre Bühne begreifen, wo sie mit ihren Körpern und recycelten Materialien eindringliche politische Kunst abseits der Weltöffentlichkeit kreieren.
»Systéme K« feierte auf der diesjährigen Berlinale im Februar seine Weltpremiere und soll internationale Distribution erfahren.

www.le-pacte.com/international/new-films/single/system-k/

Regisseur Joshua Ademola Alabi (Lagos/Nigeria) ist einer der renommiertesten Theatermacher*innen für junges Publikum in Nigeria. Er arbeitet in verschiedenen Ländern Afrikas, für den British Council und im Auftrag des Goethe-Instituts. Alabi ist Leiter und Mitbegründer der freien Theaterkompanie Kininso-koncepts Productions in Lagos, die sich die Ermächtigung junger Menschen durch Kunst zum Ziel gesetzt hat. Die Kompanie gründete sich 2011, seit 2015 gibt es Kontakte mit Europa. Im Jahr 2017 ist mit dem Künstlerhaus Mousonturm die Performance »Imbalance« entstanden. Anfang 2019 entwickelte Alabi das Stück »Imagination TV« mit Künstler*innen aus Lagos und Düsseldorf für das Junge Schauspiel Düsseldorf.

»Wenn ich über Theater, Performance und die Ermächtung junger Menschen durch die Künste spreche, fühle ich mich am meisten lebendig.«

»Geschichten erzählen ist nicht nur einfach unser Ding als Afrikaner. Es ist das, was das Schöne der Welt inmitten des Chaos bewahrt hat. Für uns sind Geschichten, Theater, Kunst und zeitgenössisches soziokulturelles Bewusstsein unsere tägliche Nahrung, die wir Ihnen – unserem wunderbaren Publikum – anreichen, während wir uns gegenseitig auf eine Reise von tausend Geschichten und Kulturen führen, die gleichermaßen in Höhlen wie in Städten verwurzelt sind.«

www.kininsokoncepts.blogspot.com

Stephanie Maher (Stolzenhagen/Deutschland) ist Gründerin und künstlerische Leiterin des Ponderosa e.V. – ein Ort und eine internationale Gemeinschaft im ländlichen Brandenburg nahe der Oder, wo Tanzschaffende und interdisziplinäre Künstler*innen Räume für künstlerische Forschung, performative Experimente und hierarchiefreie Aneignung von Wissen haben. Ponderosa steht für den Versuch, auf dem Land eine alternative Mikrogesellschaft mit urbanen und internationalen Bezügen zu entwickeln, in der künstlerisches Schaffen mit einer sozial-ökologisch nachhaltigen Lebensweise einhergeht. In diesem Jahr startet Stephanie Maher ein dreijähriges Kunstprojekt, gefördert von dem neu aufgelegten Bundesprogramm »Landkultur«, in dem sie unter dem Titel »Tipping Utopia« gemeinsam mit einer Gruppe von Künstler*innen, die Ponderosa künstlerisch und freundschaftlich verbunden sind, das Potenzial performativer Praxis an diesem Ort für die Zukunft auslotet. „Tipping Utopia“ untersucht utopische Lebens- und Gesellschaftsentwürfe in ihren Momenten des Kippens und Scheiterns. Die Unerreichbarkeit, der Nicht-Ort der Utopie ist virulenter Kern der Arbeits- und Lebenswelt von Ponderosa. Von hier aus sollen in künstlerischen Rechercheprozessen und kreativen Experimenten neue Möglichkeiten für die Zukunft gedacht, verworfen und weiterentwickelt werden.

Stephanie Maher ist im Rahmen des FRATZ Symposium zu einer »Fake Lecture« eingeladen, wie sie es nennt, um »Tipping Utopia« für interessierte Fachbesucher*innen greifbar zu machen und mit uns gemeinsam über künstlerisches Schaffen in einer imaginierten Zukunft nachzudenken.

www.ponderosa-dance.de

Ansprechpartnerin für Fachbesucher*innen:

Kata Kovács | accreditation@fratz-festival.de | +49 (0) 177 274 0631

Die Telefonsprechstunden sind jeweils Montag von 15-19 Uhr und Donnerstag von 10-14 Uhr.
Sie können gerne eine Nachricht hinterlassen und werden schnellstmöglich zurückgerufen.

FRATZ Reflexionen

Die Reflexionen dokumentieren Ergebnisse, Diskussionsstände und Inszenierungen der jeweiligen Ausgaben unserer Theaterfestivals »FRATZ International« und »Berliner Schaufenster«. Expert*innen und Autor*innen wurden von uns eingeladen, die Inszenierungen, Labore und Fachveranstaltungen zu begleiten, sie auszuwerten und gedanklich in einen Diskurs einzubinden.

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